Gestern Abend habe ich auf Arte einen Sendung zum Thema Textilindustrie gesehen. Hier eine Zusammenfassung :
Die Textilindustrie nutzt bequem alle Vorteile der globalen Welt: schnell und billig. Auch heute wird noch günstig produziert auf dem Rücken rechtloser Menschen aus Billiglohnländern und Kinderarbeit gibt es immer noch!
Indien ist eines der Länder, in denen am meisten Textilien produziert werden und als Produktionsstandort seit Jahren heftig umstritten. Umweltstandards wurden über Jahrzehnte mit Füssen getreten. Obwohl es entsprechende Gesetze schon seit Jahren gibt, hat sich nie jemand darum gekümmert, dass sie auch eingehalten werden. In Tirupur im Süden des Landes liegt die Hochburg der Textilindustrie. Alle grossen Markenunternehmen lassen hier färben und nähen. Der jahrelange Missbrauch von Chemikalien während der Färbeprozesse hat dazu geführt, dass es in Tirupur seit Jahren kein sauberes Grundwasser mehr gibt.
Durch einen Gerichtsbeschluss wurde jetzt entschieden, dass jede Färberei innerhalb der nächsten Monate umrüsten muss. 95 % des Wassers müssen recycelt werden. Die großen Färbereien halten sich schon längst an die Vorgaben, auch weil sie wissen, dass sie sonst wichtige Kunden verlieren können. Die Kontrollen wurden verschärft und jede Färberei wird Trainings unterzogen, in denen geklärt wird, welche Chemikalien benutzt werden dürfen. Doch die Färbereien sind eigenständige Unternehmen, die für viele Käufer aus aller Welt arbeiten. Auch wenn die jahrelange Zusammenarbeit mit westlichen Unternehmen in Indien für ein Umdenken gesorgt hat, bleiben Risiken bestehen, denn die Kontrollen der Färbereien sind häufig kompliziert.
Die Ansprüche aus den westlichen Industrienationen haben zudem oft wenig gemein mit der Lebensrealität in den Ländern, in denen sie Kleidung produzieren lassen. Umweltverschmutzung kümmert in Indien wenig, hier geht es den meisten zunächst darum, die Familie zu ernähren. Für viele ist es kaum nachvollziehbar, sich um saubere Flüsse zu sorgen. Die wenigsten Haushalte haben sanitäre Anlagen, auch das ist eine wesentliche Ursache für die Verschmutzung des Grundwassers. Die Verschmutzung der Umwelt durch die Textilindustrie beginnt ausserdem weit vor den Färbeprozessen. Beim Einsatz von Pestiziden auf den Baumwollfeldern, der Situation der Bauern vor Ort. Wer wie sie in der Textilkette ganz unten steht, hat am wenigsten Chancen an den positiven Entwicklungen der letzten Jahre teilzuhaben. Die Pestizide, die wegen der Resistenzen der Pflanzen immer wieder neu auf den Markt kommen, machen die Bauern arm. Eine ausweglose Situation, die die Selbstmordrate immer weiter nach oben treibt.
1 Kommentar:
Oh wow! Das klingt wirklich schlimm. Nachdem ich deinen Post durchgelesen habe, musste ich mit Schrecken feststellen, dass es kaum Alternativen gibt, als Kleider aus armen Drittweltländern zu kaufen. Nicht einmal teure Wäsche, die mit der Schweiz als Herstellungsland wirbt (Calida und Mammut) wird mehr in der Schweiz produziert.
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