Mittwoch, 13. Juni 2007

Fachliche Aufarbeitung - Teil 2

Um die Missstände in der Produktion von Markenkleidern zu beseitigen, wird nicht vorgeschlagen, keine Markenkleider mehr käuflich zu erwerben, sondern als Konsument bzw. Konsumentin Druck auf grosse Markenfirmen auszuüben, damit diese gezwungen werden, die Arbeitsbedingungen, Löhne etc. ihrer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu verbessern. Die „Clean Clothes Campaign“ setzt sich besonders dafür ein.

CCC
Die «Clean Clothes Campaign – für gerecht produzierte Kleider» will mit Unterstützung von Konsumentinnen und Konsumenten den Druck auf die grossen Markenfirmen und Grossverteiler erhöhen. Dank den über 70'000 Postkarten und Petitionen, welche in den fünf ersten Kampagnenjahren an 15 Firmen gesandt wurden, konnte einiges bewegt werden. In Verhandlungen mit den Konzernleitungen stellen wir fest, dass die Sozialstandards zunehmend ein wichtiges Thema sind. Damit den Worten auch Taten folgen, braucht es weiterhin den Druck der Öffentlichkeit.

Fairer Handel in der Schweiz
Mit ihrem Kaufentscheid beeinflussen die Konsumierenden das gesamte Wirtschaftsgefüge. Um diesen Einfluss zu nutzen, fördert die Erklärung von Bern (EvB) seit ihren Anfängen den fairen Handel. Dank dem erhalten weltweit Hunderttausende eine existenzsichernde Beschäftigung und würdige Arbeitsbedingungen. Dort wo der faire Handel keine Alternative bildet, müssen sich die Konsumierenden zusammenschliessen, um die Grundrechte und den Umweltschutz einzufordern. Durch gemeinsame Aktionen in der Öffentlichkeit kann auch das Verhalten grosser Konzerne beeinflusst werden.

Marktanalyse 2004
Die Bekleidungsindustrie kalkuliert gnadenlos. Der Trend Richtung Sozialdumping und Umweltverschmutzung hält an. Produziert wird unter unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen den Modeunternehmen. Einzelne Firmen haben begonnen, sich ernsthaft um Verbesserungen zu bemühen. Die Marktanalyse von EvB und SKS erhellt die Dunklen Seiten der Modebranche. Damit sollen die Konsumentinnen und Konsumenten unterscheiden können zwischen echtem Engagement und plumpen PR-Übungen. Einen Hoffnungsschimmer bilden derzeit erst die Anbieter von biologischer Baumwolle.
Der überwiegende Teil der Kleider, die im Schweizer Markt verkauft werden, stammen aus Asien, Osteuropa oder Afrika. Wer dort die Kleiderfabriken besucht, stellt Erschreckendes fest: Hungerlöhne, Zwangsüberstunden, Repression und Gewerkschaftsverbote. Seit 15 Jahren werden die Arbeitsbedingungen von der Clean Clothes Campaign (CCC) dokumentiert. Die Bekleidungsindustrie schafft Arbeitsplätze und bringt Devisen in ärmere Länder. Die Resultate sind seit 15 Jahren alarmierend. Der Weltmarkt erzeugt Einkaufspreise, die weder den effektiven Aufwand noch die realen Kosten abgelten:

Unbezahlter Aufwand
· Überstunden werden oft erzwungen, aber nicht zusätzlich entschädigt.
· Bei hoher Auftragslage werden die Vorgaben in der Produktion willkürlich erhöht.

Ungedeckte Kosten
· Unter dem Akkordstress leidet die Gesundheit der Beschäftigten: werden sie krank verlieren sie oft ihre Stelle und für die Arztrechnung fehlt dann das Geld.
· Unter dem Akkordstress leidet die Gesundheit der Beschäftigten: werden sie krank verlieren sie oft ihre Stelle und für die Arztrechnung fehlt dann das Geld.

Die Resultate dieser Erhebung müssen daher immer im Kontext der Situation in den Produktionsländern gesehen werden. Wir können heute aber von keinem Anbieter sagen, unter welchen Bedingungen ihre Kleider konkret produziert wurden. Gefragt wurde nach dem öko-sozialen Engagement in der Modebranche: Was unternehmen die Firmen, um das Malaise zu überwinden?

Beispiel Adidas
Mit sieben Fällen von Ausbeutung führt Adidas die Liste der Skandalmarken an. Nike liegt mit geringem Abstand auf Platz zwei. Die zwei grössten Sportbekleidungsmarken strengen sich zwar an, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, es reicht jedoch bei weitem nicht. Hungerlöhne für Näherinnen kommen immer noch vor. Diese mangelnde Fairness steht in eklatantem Widerspruch zur Omnipräsenz in Sportstadien und auf Rennpisten. Weil nur die Original-Trikots das echte Logo tragen, kaufen sie die Fans trotz hoher Preise. Dafür lässt sich der englische Fussballprofi David Beckham seine Wirkung als Werbeträger für Adidas vergolden, angeblich durch eine lebenslange Rente von total 161 Millionen US-Dollar (Adidas bestreitet diese Angabe). Trotz der gigantischen Sponsoring-Ausgaben steigerte Adidas 2003 seine Gewinne um knapp 14% auf 260 Millionen Euro. Dies, obwohl der Umsatz um knapp 4% auf 6,3 Milliarden Euro gesunken ist. Wie ihr Lokalrivale Puma, auch aus Herzogenaurach (D), erweiterte Adidas ihre Kollektion in den letzten Jahren um eine sportliche Nobel-Linie.
Der Geschäftsbericht 2003 von Adidas gleicht einem Hochglanzprospekt. Ergänzt werden die zahlreichen Sportlerporträts durch einige Finanzübersichten. 2002 und 2003 publizierte Adidas einen Sozial- und Umweltbericht, welcher sich an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) orientiert. Das Hauptaugenmerk liegt bei sozialen und ethischen Belangen der Beschaffungskette. Es fehlen in den Berichten aber konkrete Resultate zu den Kontrollen sowie klare Zielvorgaben. Zu den Produktionsstandorten gibt Adidas folgende Übersicht: Produziert wird in Europa (inkl. Nordafrika, Portugal und die Türkei) zu 27%, in Asien (u. a. China, Indonesien, Japan, Korea, Malaysia, Philippinen, Taiwan, Thailand, Vietnam) zu 51% und in Amerika (u. a. Brasilien, Argentinien, Kanada, Mexiko, USA) zu 22%. Neben 9 eigenen Betrieben produzieren 615 Hauptlieferanten sowie die Unterlieferanten von 204 Agenturen und Lizenznehmern für Adidas.

Informationen über verschiedene Firmen: http://www.cleanclothes.ch/p5499.html

Schlussfolgerungen
Es zeigt sich, dass die öffentliche Meinung einen Einfluss hat auf das Verhalten der Modefirmen. Mehrere Firmenvertreter haben bestätigt, dass sie im Jahr 2004 zahlreiche Beschwerdebriefe von besorgten Konsumenten und Leserinnen erhalten hätten. Mit Wirkung: Die von uns schlecht bewerteten Firmen PKZ und Strellson zum Beispiel haben in der Zwischenzeit einen Kodex eingeführt und erstmals dazu informiert. Ein weiteres erfreuliches Resultat der Firmenumfrage war, dass alle 27 von uns angeschriebenen Firmen reagiert haben und Informationen einreichten.
Die Mehrheit der Firmen hat damit begonnen, sich mit verbindlichen Sozialstandards und unabhängigen Kontrollen um die Situation in den Fabriken zu kümmern. Uns vorgelegte Anpassungspläne belegen konkrete Verbesserungen, die sich aber teilweise nur auf bauliche Massnahmen wie Beleuchtung, Belüftung, Unterkünfte, Toiletten usw. beziehen. Insgesamt genügen die von den Firmen ergriffenen Massnahmen nicht, um eine Wende einzuläuten.
Noch stehen die Anstrengungen für bessere Arbeitsbedingungen in keinem Verhältnis zur Dynamik des Weltmarktes. Das Ende des so genannten Multifaserabkommens (ein Quotensystem unter der WTO) per 1. Januar 2005 löste einen neuen Liberalisierungsschub im Bekleidungsmarkt aus. Dies führt zu einer dramatischen Verlagerung von Zehntausenden von Arbeitsplätzen und heizt den ruinösen Standortwettbewerb an. Zudem wurde eine neue Tendenz festgestellt, die darin besteht, dass negative Geschäftspraktiken wie Kostenüberwälzung bei den Kontrollen und unlautere Zertifizierung vielerorts die Arbeitsverhältnisse belasten.
Biobaumwolle bringt Verbesserungen
Einen klar positiven Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen konnten jene Firmen (z.B. Coop, Helvetas, Hess Natur, Migros, Remei und Switcher) dokumentieren, die sich in Projekten für den Anbau und die Verarbeitung von Biobaumwolle engagieren. Sie sind sich auch der Probleme in den Fabriken bewusst, informieren die Kundschaft darüber und setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken ein. Kleider aus Biobaumwolle bilden daher eine echte Alternative. Das Verhalten der Bio-Anbieter ist gemäss dieser Studie der Lichtblick im Modemarkt.

Informationen: http://www.cleanclothes.ch/p5399.html

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